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Drei Jahre Haft für Auto-Attacke auf Cousin

Er hatte in Ahlem versucht, mit einem Mercedes seinen Cousin anzufahren. Anschließend ging er mit Baseballschläger und Pfefferspray auf ihn los. Dafür muss ein 24-Jähriger nun für drei Jahre ins Gefängnis. Auch sein Bruder wurde verurteilt.

Sezer S. (hinten rechts) wird von Anwalt Matthias Waldraff verteidigt, Sezgin S. (vorne links) von Matthias Fiedler. Quelle: Michael Zgoll

Zwei Brüder, die vor sechs Monaten in Ahlem mit einem Mercedes E 500 auf einen Cousin zugefahren waren und diesen anschließend mit Baseballschläger und Pfefferspray angegriffen hatten, sind am Mittwoch vom Schwurgericht verurteilt worden. Der 24-jährige Fahrer der Luxuslimousine, Sezer S., wurde von der Kammer unter Vorsitz von Richter Wolfgang Rosenbusch wegen gefährlicher Körperverletzung und gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr zu einer Haftstrafe von drei Jahren verurteilt. Außerdem kann er frühestens in drei Jahren eine neue Fahrerlaubnis beantragen. Sein 21-jähriger Bruder Sezgin S. wurde wegen Körperverletzung zu einer Bewährungsstrafe von zehn Monaten verurteilt. Das Auto hatte das Opfer verfehlt; gegen die nachfolgenden Angriffe hatte sich der 22-Jährige mit einem Messer verteidigt und seine beiden Widersacher an den Händen verletzt.Lebensgefährliche Schläge. Die Tat ereignete sich nahe der Heisterbergschule an der Tegtmeyerallee. Richter Rosenbusch sprach davon, dass die Brüder offenbar nicht die Absicht gehegt hätten, ihr Opfer zu töten; die Anklage allerdings ging von versuchtem Totschlag aus und hatte für den gelernten Bürokaufmann Sezer S. sechs Jahre Haft gefordert.„Sie wollten dem Opfer mit ihrem schweren Wagen Angst machen“sagte der Vorsitzende zu den Angeklagten. Die Kammer habe dies ebenso unter „Imponiergehabe“ und „Machoverhalten“ verbucht wie frühere Todesdrohungen in Internet-Chats. Das Opfer hatte dem Mercedes durch einen Sprung ausweichen können, dieser mähte anschließend einen kleinen Baum und einen Jägerzaun nieder. Die Schläge mit dem Baseballschläger, die Sezer S. ausführte, wertete die Kammer hingegen als „potenziell lebensgefährlich“. Der 22-Jährige wurde bei dem Angriff an Kopf, Nacken und Arm verletzt.Der innerfamiliäre Konflikt hatte sich offenbar an einer vom Opfer als rassistisch empfundenen Beleidigung von Sezer S. gegenüber einer Cousine entzündet und war in Form von verbalen Beleidigungen immer weiter eskaliert – bis zu dem Angriff am Vormittag des 12. Mai. Das Gericht hielt den Angeklagten zugute, dass sie bis zur Tat unbescholten waren und Schulabschluss wie Berufsausbildung vorweisen können. Mit ihrer total unüberlegten Attacke hätten sie auch ihre Familie „in große Unordnung gebracht“, sagte Rosenbusch. Der als Tatwerkzeug geltende Mercedes wurde eingezogen; da es ein gebrauchtes Fahrzeug war und durch den Unfall erheblich beschädigt, betrug der Restwert nur noch 2500 Euro. Den Haftbefehl gegen Sezer S. setzte die Kammer außer Vollzug, zudem hat der 24-Jährige gute Chancen, seine – wahrscheinlich verkürzte – Haftstraße als Freigänger verbüßen zu können. In Absprache mit seinem Verteidiger Matthias Waldraff nahm S. das Urteil an; der Staatsanwalt äußerte sich noch nicht, ob er in Revision geht.

Matthias Waldraff

Rechtsanwalt und Seniorpartner in der Kanzlei Waldraff & Kollegen. Sein Schwerpunkt ist die Strafverteidigung.